
Resident Evil 7 Biohazard
Resident Evil 7 hat die Reihe gerettet – mit einer Küche, einer Familie und einem Sounddesign das sich ins Gehirn brennt. Dass die zweite Hälfte nicht ganz mithält ist der einzige Makel an einem mutigen Neuanfang.
Bewertung
Pro
- Die Baker-Familie als Antagonisten ist Seriengeschichte
- Sounddesign und Atmosphäre auf absolutem Höchstniveau
- Perspektivwechsel zur Egoperspektive funktioniert perfekt
- PS5-Version mit optionalem VR2-Support
- Erster echter Horrortrip der Reihe seit Silent Hill-Ära
Contra
- Zweite Hälfte verliert merklich an Atmosphäre
- Story ist funktional aber keine Offenbarung
- Schiff-Abschnitt zieht sich
- Ethan teilweise emotional wie ein Amboss
„Resident Evil 7 hat die Reihe gerettet – mit einer Küche, einer Familie und einem Sounddesign das sich ins Gehirn brennt. Dass die zweite Hälfte nicht ganz mithält ist der einzige Makel an einem mutigen Neuanfang."
Im Detail
Die Küche die alles verändert hat
Es gibt einen Moment in Resident Evil 7 der vielen Spielern noch Jahre später im Gedächtnis sitzt. Du sitzt am Esstisch der Baker-Familie. Jack Baker sitzt dir gegenüber. Das Abendessen beginnt. Was danach passiert ist einer der effektivsten Horrormomente der Videospielgeschichte – nicht weil er dich erschreckt, sondern weil er dich nicht loslässt.
Capcom hat 2017 etwas Mutiges getan. Nach Resident Evil 6 – einem Spiel das in seiner Actionlastigkeit fast alles vergessen hatte was die Reihe einmal ausgemacht hatte – haben sie alles über Bord geworfen. Keine bekannten Charaktere. Keine globale Bedrohung. Keine Explosionen. Stattdessen: ein verfallenes Anwesen in Louisiana. Ein Mann der seine verschwundene Frau sucht. Und eine Familie die nicht ganz menschlich ist.
Das war der richtige Schritt. Und er hat funktioniert.
Ethan Winters und die Kunst
des Durchhaltens
Du spielst Ethan Winters – einen der wenigen Protagonisten der Videospielgeschichte die bewusst als Leinwand konzipiert sind. Ethan hat kaum Persönlichkeit. Das ist Absicht. Du sollst dich mit ihm identifizieren, nicht ihn bewundern. Wenn er Angst hat, hast du Angst. Wenn er durch einen engen Korridor kriecht, kriechst du durch einen engen Korridor.
Die Egoperspektive ist dabei der entscheidende Schachzug. RE7 ist das erste mainline Resident Evil in dieser Perspektive – und es passt perfekt. Du siehst nicht was um die Ecke ist. Du hörst Schritte auf dem Obergeschoss während du im Keller bist. Du weißt dass Jack Baker irgendwo im Haus ist – aber nicht wo.
Das ist echter Horror. Nicht Jump Scares. Nicht Blut. Wissen ohne Kontrolle.
Die Baker-Familie –
Antagonisten die bleiben
Jack, Marguerite und Lucas Baker sind das Herzstück des Spiels. Drei völlig verschiedene Charaktere, drei völlig verschiedene Bedrohungen.
Jack Baker ist die körperliche Bedrohung. Groß, fast unzerstörbar, überall. Er taucht auf wenn man es nicht erwartet und das Spiel nutzt das ohne Gnade. Die Sequenzen in denen er dich durch das Haus jagt gehören zum Beklemmendsten was Survival Horror je produziert hat.
Marguerite Baker kontrolliert das Außengelände und die Gärten. Ihr Abschnitt wechselt den Ton – mehr klassisches RE, mehr Erkundung, mehr Ekel. Nicht der stärkste Teil des Spiels, aber wichtig für die Abwechslung.
Lucas Baker ist der unheimlichste. Wo Jack und Marguerite körperliche Bedrohungen sind, ist Lucas psychologische Bedrohung. Schlau, sadistisch, kalkuliert. Sein Abschnitt erinnert an Saw und ist bewusst unangenehm. Er funktioniert.
Das Sounddesign das verfolgt
Kein Review zu RE7 kommt ohne einen Absatz über das Sounddesign aus – weil es das Beste ist was Capcom je produziert hat und eines der besten der gesamten Branche.
Jedes Knarzen des Bodens sitzt. Jeder gedämpfte Schritt auf dem Obergeschoss während du im Keller stehst. Die Musik – oder oft das bewusste Fehlen von Musik – arbeitet präzise. RE7 auf einem guten Headset ist physisch unangenehm im besten Sinne.
Die PS5-Version verfeinert das noch weiter. Wer einen PS5-kompatiblen Surround-Headset hat und im Dunkeln spielt bekommt eine Erfahrung die sich kaum beschreiben lässt.
Und dann ist da noch der optionale PS VR2-Support. RE7 war das erste große Spiel mit vollständiger VR-Unterstützung – und auch Jahre später ist es das überzeugendste VR-Erlebnis das Konsolen bieten. Nicht für schwache Nerven. Ernsthaft.
Wo RE7 nachlässt
Die erste Hälfte des Spiels ist nahezu perfekt. Das Anwesen, die Baker-Familie, die Spannung – alles sitzt. Dann kommt der Schiff-Abschnitt. Und das Spiel verliert etwas das es vorher hatte.
Der Fokus verschiebt sich merklich in Richtung Action. Neue Gegner ersetzen die Baker-Familie als primäre Bedrohung – und diese neuen Gegner sind bei weitem nicht so eindrucksvoll. Sie sind generisch wo die Bakers ikonisch waren. Sie erschrecken nicht wo die Bakers beklemmten.
Die Story selbst ist solide aber keine Offenbarung. Sie liefert einen funktionalen Rahmen der erklärt was passiert – aber die wirkliche Stärke des Spiels liegt nie in der Narration sondern in der Atmosphäre. Wer nach narrativer Tiefe sucht wird am Ende leicht enttäuscht sein.
Für wen ist RE7 das Richtige?
Wer klassische Survival-Horror-Spiele liebt – Silent Hill, die frühen Resident Evils, SOMA – ist hier goldrichtig. RE7 ist kein leichtes Actionspiel. Es ist ein echter Horrortrip mit Konsequenzen bei jedem Fehler.
Wer mit RE4 Remake oder RE Village eingestiegen ist und die Basis kennenlernen will sollte hier anfangen – RE7 ist der Anfang der modernen RE-Ära und Ethan Winters Geschichte.
Wer Horror prinzipiell nicht mag wird hier keine Bekehrung erleben. Das Spiel ist kompromisslos in dem was es ist.
Zur PS5-Version speziell: Die technischen Verbesserungen sind real – bessere Ladezeiten, stabileres Framerate, schärfere Texturen. Kein Grund doppelt zu zahlen wenn man die PS4-Version besitzt. Für Ersteinsteiger ist sie aber die beste Version.
Fazit
Resident Evil 7 ist die beste Horrorüberraschung der Reihe – konsequent, beklemmend und mit einem Sounddesign das einen noch Tage später verfolgt. Capcom hat bewiesen dass man eine 20 Jahre alte Franchise neu erfinden kann ohne sie zu verraten.
Die 8.5 wäre ohne den schwächeren zweiten Teil eine 9.0. Wer die Baker-Familie einmal kennengelernt hat vergisst sie nicht mehr.
Wer danach mehr will: Unser RE4 Remake Review zeigt wo die moderne Ära ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hat.


