
Resident Evil 2 Remake
Capcom hat 1998 neu erfunden ohne es zu entweihen. Leon und Claire in der RPD – das Remake ist das neue Meisterwerk.
Bewertung
Pro
- RPD-Polizeiwache atmosphärisch dichter als je zuvor
- Zwei Kampagnen die sich ergänzen statt wiederholen
- Mr. X verwandelt Safe Rooms in Panikzonen
- RE Engine lässt Raccoon City leben und sterben
Contra
- B-Szenarien weniger unterschiedlich als im Original
- Bosskämpfe gegen Ende etwas repetitiv
- Einige ikonische Szenen wurden gekürzt
Im Detail
Der Zombie dreht sich um, sein Kiefer hängt halb herunter, und ich höre das nasse Schlurfen seiner Schritte auf dem Marmorboden der RPD-Polizeiwache. Ich bin Leon Kennedy, es ist mein erster Arbeitstag, und die Hölle ist bereits ausgebrochen. Willkommen in Raccoon City – 2019 neu interpretiert, aber mit der Seele von 1998.
Zwei Perspektiven, eine Stadt im Untergang
Capcom hat verstanden, was ein Remake sein sollte: keine bloße HD-Politur, sondern eine Neuinterpretation mit Respekt vor dem Original. Ich spiele Leon, den idealistischen Rookie-Cop, und Claire Redfield, die nach ihrem Bruder Chris sucht. Beide Kampagnen führen durch dieselbe Hölle, aber aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln. Wo Leon durch die Kanalisation stapft, kämpft sich Claire durch das Waisenhaus. Die Geschichten verzahnen sich, ergänzen sich, enthüllen gemeinsam das große Bild der Umbrella-Katastrophe.
Die RPD-Polizeiwache ist das Herzstück des Spiels, und sie ist atemberaubend. Jeder Raum erzählt eine Geschichte: Barrikadierte Türen, blutige Handabdrücke, Notizen verzweifelter Cops. Die RE Engine zaubert eine Atmosphäre auf den Bildschirm, die ich zuletzt in The Last of Us so intensiv erlebt habe. Licht flackert, Schatten tanzen, und ich weiß nie, was hinter der nächsten Ecke lauert.
Mr. X macht alles anders
Dann taucht er auf: Mr. X, der unaufhaltsame Tyrant im Trenchcoat. Seine schweren Schritte hallen durch die Gänge, BUMM, BUMM, BUMM – ein akustischer Albtraum. Plötzlich sind Safe Rooms keine sicheren Häfen mehr, denn er patrouilliert, sucht, jagt. Ich renne durch Korridore, höre seine Schritte näher kommen, verstecke mich in Räumen, halte die Luft an. Diese Dynamik verwandelt das Spiel von einem klassischen Survival-Horror in eine Katz-und-Maus-Jagd, die mich permanent unter Spannung hält.
Die Kämpfe sind taktisch und brutal. Munition ist rar, jeder Schuss muss sitzen. Ich ziele auf Knie, um Zombies zu verlangsamen, spare mir die Kopfschüsse für Notfälle. Bosskämpfe gegen G-Mutationen sind spektakulär, wenn auch gegen Ende etwas zu ähnlich gestrickt. Und ja, einige ikonische Momente aus dem Original wurden gekürzt oder verändert – das schmerzt nostalgische Fans wie mich.
Die B-Szenarien bieten weniger Variation als 1998, was schade ist. Trotzdem bleibt genug Unterschied, um beide Durchgänge zu rechtfertigen. Claire mit ihrer Grenade Launcher, Leon mit seiner Shotgun – beide Playstyles fühlen sich distinct an.
Fazit
Resident Evil 2 Remake ist das, was jedes Remake sein sollte: eine liebevolle Neuerfindung, die das Original ehrt, ohne daran zu ersticken. Capcom hat 1998 in die Moderne geholt, ohne die Seele zu verraten. Die RPD lebt und atmet, Mr. X terrorisiert wie kein Verfolger zuvor, und die Story von Leon und Claire berührt auch 20 Jahre später. Die 9.5/10 gibt es, weil hier nahezu alles stimmt – Atmosphäre, Gameplay, Inszenierung. Kleinere Schwächen bei den B-Szenarien und repetitiven Endbosskämpfen halten das Spiel nur haarscharf von der Perfektion ab. Wer Survival-Horror auch nur ansatzweise schätzt, MUSS dieses Meisterwerk gespielt haben. Punkt.


