Baphomets Fluch –  Die Verschwörung der Tempelritter:  Reforged
Bild: Revolution Software / Nintendo eShop
SpielPoint & Click AdventurePCNintendo SwitchPS5

Baphomets Fluch – Die Verschwörung der Tempelritter: Reforged

Von Chefermittler·22. Juni 2026·4 Min Lesezeit

Baphomets Fluch Reforged ist der Beweis dass manche Klassiker keine zweite Chance brauchen – sie brauchen nur die richtige Auflösung.

Entwickler / Studio
Revolution Software
Erscheinungsjahr
2024
Getestet auf
PS5
Spielzeit
ca. 8-10 Stunden

Bewertung

Gesamtwertung
9.0/10
Sehr gut
Chefermittler-Empfehlung
Story9.5
Gameplay8.5
Präsentation9.5
Sound8.5
Wiederspielwert8.0

Pro

  • Komplett neu gezeichnete Grafik die das Original respektiert und übertrifft
  • Barrington Pheloung Score brennt sich nach 30 Jahren noch ins Gehirn
  • George und Nico auf Augenhöhe – Charakterdynamik zeitlos gut geschrieben
  • Modernisierte Benutzerführung macht Pixel-Hunting endlich zur Vergangenheit

Contra

  • Deutsche Synchro klingt stellenweise noch leicht blechern überarbeitet
  • Audio-Überarbeitung hält nicht mit der Grafik-Qualität Schritt
  • Für Genre-Fremde bleibt das langsame Tempo eine echte Hürde

Im Detail

Paris, 1996. Ein Clown betritt das Café.

Ich kenne diesen Moment auswendig. Den Moment kurz bevor die Bombe explodiert. Den Mann mit dem Hut der gerade noch durch die Tür verschwunden ist. Den Clown der ihm folgt.

Ich habe Baphomets Fluch das erste Mal auf einem Familien-PC gespielt der damals schon nicht mehr neu war. Ich verstand die englischen Dialoge nicht vollständig. Ich kam trotzdem nicht weg vom Bildschirm.

Das war 1997. Und dieser Moment mit dem Clown hat nichts verloren.

Was Revolution Software 2024 getan hat

Lass mich direkt sein: Baphomets Fluch Reforged ist kein Remaster. Es ist eine Neuzeichnung.

Jeder Hintergrund, jeder Charakter, jede Animation – komplett neu erstellt. Handgezeichnet in 4K, im Stil des Originals aber ohne die technischen Einschränkungen von 1996. Und Revolution Software hat dabei das Kunststück vollbracht das fast niemand schafft: es sieht aus wie das Original in einer Welt in der das Original nie technisch limitiert war.

Der Knopfdruck der zwischen alter und neuer Grafik wechselt ist der ehrlichste Kommentar dazu den es geben kann. Ich habe ihn dutzende Male gedrückt. Nicht weil ich Zweifel hatte – sondern weil der Unterschied jedes Mal von Neuem beeindruckt.

Die Originalversion sah in meiner Erinnerung besser aus als sie war. Das ist immer so mit Kindheitserinnerungen. Die Reforged-Version sieht so aus wie meine Erinnerung – obwohl sie das Original technisch weit hinter sich lässt.

Das ist keine kleine Leistung.

George Stobbart und die Frage nach dem Warum

George ist kein Held. Das war er nie und das ist der Grund warum er funktioniert.

Er ist ein amerikanischer Anwalt der Urlaub in Paris macht und zufällig am falschen Ort sitzt als ein Clown ein Café in die Luft jagt. Danach hört er nicht auf zu fragen. Nicht weil er mutig ist – sondern weil er neugierig ist und weil er Nico getroffen hat.

Nico Collard als Gegenpart funktioniert deshalb so gut weil sie das Spiegelbild ist: Wo George stolpert findet sie die Tür. Wo George charmant ist ist sie direkt. Wo George zweifelt ist sie entschieden.

Zusammen ergeben sie eine Dynamik die damals ungewöhnlich war und heute immer noch funktioniert – weil sie auf Augenhöhe geschrieben ist statt auf Klischees zu bauen.

Die Reforged-Version hat die Gesichtsanimationen grundlegend überarbeitet. 1996 war Mimik in dieser Auflösung schlicht nicht möglich. 2024 sieht man was die Charaktere denken bevor sie es sagen. Das verändert die emotionale Wirkung mancher Szenen spürbar.

Barrington Pheloung und die Trompete von Paris

Es gibt einen Satz am Anfang des Spiels: "Paris im Herbst. Der letzte Monat des Jahres und das Ende des Jahrtausends."

Dann setzt die Trompete ein.

Barrington Pheloung – bekannt als Komponist von Inspector Morse – hat für Baphomets Fluch einen Score geschrieben der sich so tief in das Gedächtnis eingebrannt hat dass ich ihn nach fast 30 Jahren noch vollständig mitsummen kann.

Die Reforged-Version hat das Audio überarbeitet. Das Ergebnis ist besser als vorher – aber nicht so weit besser wie die Grafik-Überarbeitung. Die Dialoge klingen gelegentlich noch leicht blechern, besonders in der deutschen Synchro.

Das ist der einzige Punkt an dem man spürt dass hier nicht alles gleichmäßig zugewandt wurde. Verschmerzbar – aber ehrlich benennbar.

Was Reforged besser macht als das Original

Neben der Grafik hat Revolution Software die Benutzerführung modernisiert – und das war notwendig.

Das Original hatte ein Problem das 1996 Genrestandard war: Pixel-Hunting. Interaktionspunkte die sich hinter einzelnen Bildschirmregionen versteckten ohne visuelle Hinweise. Rätsel die scheiterten weil man den richtigen Pixel nicht gefunden hatte.

Die Reforged-Version löst das elegant: Interaktionspunkte sind klar markiert, der Cursor rastet auf Objekte ein wenn man in ihre Nähe kommt, Gegenstände die keinen Nutzen mehr haben fallen aus der interaktiven Liste heraus.

Das klingt nach einer kleinen Änderung. Es ist eine fundamentale Verbesserung der Zugänglichkeit ohne den Kern des Rätselsystems anzutasten.

Dazu gibt es einen Story-Modus für Einsteiger der stärkere Hinweise gibt – und einen Classic-Modus für alle die wissen was sie sich antun.

Ich habe Classic gespielt. Natürlich.

Schottland, Syrien, Spanien –

und warum Schauplätze zählen

Baphomets Fluch versteht etwas das viele moderne Spiele vergessen: Schauplätze sind keine Kulisse. Sie sind Erzählmittel.

Das Pariser Café nach der Explosion fühlt sich anders an als das ruhige irische Dorf Lochmarne. Das Dorf fühlt sich anders an als die syrischen Straßen von Marib. Marib anders als Spanien.

Jeder Ort hat eine eigene visuelle Sprache, eine eigene Tageszeit, ein eigenes Tempo. In der Reforged-Version sind diese Unterschiede durch die neue Grafik noch deutlicher – Paris kühler und urbaner, Irland grüner und nebliger, der Nahe Osten wärmer und staubiger.

Charles Cecil hat damals eine Welt gebaut die größer wirkte als die Summe ihrer Screens. Das ist eine seltene Fähigkeit und die Reforged-Version macht sie sichtbarer.

Für wen und warum jetzt

Wer das Original kennt: Das hier ist die definitive Version. Kein Director's Cut, kein Remaster – Reforged ist das Spiel so wie es immer aussehen sollte. Kaufen, Erinnerungen auffrischen, staunen wie gut es immer noch ist.

Wer es nicht kennt: Besseren Einstieg in die Reihe gibt es nicht. Reforged ist zugänglicher als das Original, sieht besser aus und klingt besser. Für ~15 Euro auf Steam aktuell gibt es kein Argument dagegen.

Wer Point & Click generell nicht mag: Baphomets Fluch wird das nicht ändern. Das Genre ist das Genre – langsam, dialogreich, rätselbetont. Wer damit Frieden hat findet hier eines der besten Exemplare überhaupt.

Fazit

Baphomets Fluch Reforged ist das seltenste Ding in der Spielebranche: eine Neuauflage die den Respekt vor dem Original und den Willen zur Verbesserung gleichzeitig hat ohne in Konflikt zu geraten.

Die 9.0 ist das Ergebnis eines Spiels das 1996 ein Meisterwerk war und 2024 beweist dass Meisterwerke keine Haltbarkeitsdaten haben – nur manchmal ein Update brauchen.

Und das Beste: Baphomets Fluch Parzival's Stone – Teil 6 – ist in Arbeit. Charles Cecil hat nicht aufgehört.

Weiterlesen: Baphomets Fluch – Die komplette Reihe im Überblick Baphomets Fluch 2 – Komplettlösung

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