Ein Clown betritt ein Café
Paris, 1996. George Stobbart sitzt in einem Straßencafé.
Dann betritt ein Clown das Café.
Was danach passiert ist einer der bekanntesten Einstiegsmomente der Videospielgeschichte – zumindest für alle die damals dabei waren. Eine Bombe. Ein Mord. Ein Amerikaner der eigentlich nur seinen Urlaub genießen wollte und sich plötzlich in einer Verschwörung wiederfindet die Jahrhunderte zurückreicht.
Baphomets Fluch. Broken Sword im englischen Original. Fünf Teile, eine Reihe, eine unverwechselbare Identität.
Ich war elf oder zwölf als ich Teil 1 zum ersten Mal gespielt habe. Point-and-Click auf dem Familien-PC, handgezeichnete Hintergründe, Dialoge die ich damals noch auf Englisch gar nicht vollständig verstanden habe – und trotzdem saß ich gebannt vor dem Bildschirm weil irgendetwas an diesem Spiel sich anders angefühlt hat.
Das war keine Heldengeschichte. Das war eine Ermittlung.
Was Baphomets Fluch von allem anderen unterscheidet
Die fünfteilige Reihe von Revolution Software schickt einen amerikanischen Anwalt gemeinsam mit einer französischen Journalistin in mysteriöse Kriminalfälle die sich mit Geheimorganisationen wie dem Templerorden und mysteriösen Artefakten befassen.
Das klingt nach Dan Brown. Und ja – der Vergleich liegt nahe. Aber Baphomets Fluch ist besser als Dan Brown. Deutlich.
Der Unterschied liegt in der Haltung. George Stobbart ist kein Held. Er ist ein Typ der zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort ist und dann nicht aufhört zu fragen.
Nico Collard ist keine Love Interest. Sie ist die Person die das Spiel vorantreibt wenn George nicht weiterkommt – und umgekehrt.
Diese Partnerschaft auf Augenhöhe war 1996 außergewöhnlich. Sie ist es immer noch.
Was Revolution Software außerdem richtig gemacht hat: Humor. Echter Humor der aus Charakteren kommt statt aus Situationskomik. Georges trockene Reaktionen auf das was ihm passiert. Nicos schlagfertige Kommentare. Nebenfiguren die echte Persönlichkeiten haben statt Staffage zu sein.
Das britische Onlinemagazin PCGamesN wertete 2016 retrospektiv dass Baphomets Fluch wie auch andere Spiele von Charles Cecil einen nachhaltigen Eindruck auf Generationen von Spielern hinterlassen hat.
Generationen. Das Wort ist nicht übertrieben.
Die fünf Teile – eine Übersicht
Baphomets Fluch 1 (1996)
Die Vorlage für alles danach.
George wird in Paris Zeuge eines Bombenanschlags auf ein Café. Der als Clown verkleidete Täter kann unerkannt entkommen. Als George auf eigene Faust zu ermitteln beginnt lernt er die französische Journalistin Nicole Collard kennen.
Templerorden. Hashshashin. Reisen nach Irland, Spanien, Syrien und Schottland. Handgezeichnete Hintergründe die heute noch aussehen wie Gemälde.
"Shadow of the Templars remains one of the best point-and-click games available, a classic from the genre's peak in the '90s with superb writing, puzzles, and wit that has stood the test of time."
2024 erschien eine vollständig in 4K überarbeitete Version. Der beste Einstieg in die Reihe für alle die sie noch nicht kennen.
Baphomets Fluch 2 – Die Spiegel der Finsternis (1997)
Das Experiment mit zwei Charakteren.
Der zweite Teil dreht sich um einen alten Maya-Kult.
George kehrt zurück – und diesmal ist Nico nicht nur dabei sondern eigenständig spielbar. Das war 1997 eine echte Innovation: zwei Perspektiven, zwei Sätze Rätsel, eine Geschichte die sich je nach Charakter unterschiedlich anfühlt.
Das Spiel ist unpolierter als Teil 1 und das berüchtigte Maya-Maschinen-Rätsel hat damals wie heute den Ruf eines der frustrierendsten Puzzles der Genregeschichte.
Aber: die Atmosphäre sitzt. Marseille, der Dschungel, die Pyramide – Baphomets Fluch 2 ist reicher in seinen Schauplätzen als der erste Teil.
Unsere komplette Komplettlösung findest du hier: Baphomets Fluch 2 – Guide
Baphomets Fluch 3 – Der schlafende Drache (2003)
Der Sprung in 3D – und seine Konsequenzen.
- Sechs Jahre Pause. Und dann dieser Schritt.
3D-Grafik statt handgezeichneter Hintergründe. Eine komplett andere Engine. Und der sofortige Widerstand der eingefleischten Fangemeinde.
Die Kritik war nicht komplett unberechtigt. Der Charme der ersten beiden Teile lag zu einem nicht unerheblichen Teil in ihrer handgezeichneten Ästhetik. Die Dreidimensionalität hat etwas von dieser Wärme genommen.
Trotzdem: die Geschichte ist stark. George und Nico wieder zusammen. Die Rätsel funktionieren. Der Humor sitzt.
Teil 3 ist der schwächste der ersten drei Teile – aber er ist nicht schlecht. Er ist anders.
Baphomets Fluch 4 – Der Engel des Todes (2006)
George allein – und eine neue Frau.
George arbeitet mittlerweile als Anwalt in einem heruntergekommenen Kautionsbüro. Seine Beziehung zu Nicole ist bereits seit einiger Zeit in die Brüche gegangen. Als eine junge Frau namens Anna Maria sein Büro betritt verliebt er sich Hals über Kopf.
Das ist mutig. Und für viele Fans der rote Punkt in der Reihe.
Nico fehlt. Das spürt man. Die Chemie zwischen George und einer neuen Figur funktioniert nicht annähernd so gut wie die eingespielten Dynamik der Hauptserie.
Teil 4 ist das Stiefkind der Reihe – technisch solide, emotional distanziert.
Baphomets Fluch 5 – Der Sündenfall (2013)
Die Rückkehr. Und die Erleichterung.
Kickstarter, 2013. Revolution Software geht zurück zu den Wurzeln.
Handgezeichnete Hintergründe. George und Nico. Europäische Schauplätze. Eine Geschichte die sich wieder wie Baphomets Fluch anfühlt.
Teil 5 ist kein Meisterwerk – aber er ist eine würdige Rückkehr. Besonders für alle die nach dem dritten und vierten Teil gezweifelt haben ob Charles Cecil weiß was er hat.
Er weiß es. Das zeigt Teil 5.
Warum Baphomets Fluch heute noch relevant ist
Ich rede hier nicht von Nostalgie.
Nostalgie ist wenn man etwas mag weil man es früher mochte. Baphomets Fluch ist etwas anderes: es ist ein Spiel das man heute zum ersten Mal spielen kann und versteht warum es wichtig ist.
Das Schreiben ist gut. Nicht "für ein Spiel von 1996 gut" – einfach gut. Die Charaktere haben Persönlichkeiten. Die Rätsel folgen einer Logik die sich im Nachhinein richtig anfühlt. Die Musik sitzt.
Und das Wichtigste: Baphomets Fluch behandelt seinen Spieler mit Respekt.
Es erklärt nicht zu viel. Es bevormundet nicht. Es vertraut darauf dass du die Zusammenhänge selbst herstellen kannst.
Das ist 1996 selten gewesen. Das ist 2026 noch seltener.
Der Chefermittler und Baphomets Fluch
Ich bin kein zufälliger Beobachter hier.
Der Name Chefermittler ist kein Zufall. George Stobbart ist eine seiner Inspirationen – ein normaler Mensch der zufällig in etwas hineingezogen wird und dann nicht aufhört zu fragen bis er Antworten hat.
Das ist auch mein Anspruch für diesen Blog. Nicht der Held der Geschichte sein – der Typ der nachfragt, nachschaut und ehrlich sagt was er findet.
Deshalb bekommt Baphomets Fluch auf Chefermittler.de seinen eigenen Platz als thematische Säule.
Was als nächstes kommt
Dieses Special ist der Ankerpunkt. Von hier aus wachsen die einzelnen Reviews:
Bereits verfügbar:
In Kürze:
- Baphomets Fluch 1 – Review
- Baphomets Fluch 2 – Review
- Baphomets Fluch 5 – Review
Der Maßstab: Wer die Reihe nicht kennt – fang mit Teil 1 an. 4K Reforged Edition auf Steam.
Dann Teil 2. Dann Teil 5.
Teil 3 und 4 sind für Komplettisten.
Fazit
Baphomets Fluch ist das wichtigste Point-and-Click-Adventure das je auf Deutsch lokalisiert wurde – und die deutsche Lokalisierung ist ihrerseits so gut geworden dass der englische Originaltitel hierzulande kaum jemanden interessiert.
Broken Sword? Kenn ich nicht.
Baphomets Fluch? Natürlich.
Das sagt alles.
