Chefermittler – Review Platzhalterbild
SpielPoint-and-ClickAdventureNoirPC

The Drifter

Von Chefermittler·26. Juli 2026·2 Min Lesezeit

Powerhoof liefert das beste Point-and-Click seit Jahren. Noir der sitzt, Rätsel die fordern, Atmosphäre die bleibt.

Entwickler / Studio
Powerhoof
Erscheinungsjahr
2025
Getestet auf
PC
Spielzeit
ca. 6-8 Stunden

Bewertung

Gesamtwertung
8.5/10
Sehr gut
Chefermittler-Empfehlung
Story8.5
Gameplay8.0
Präsentation9.0
Sound8.5
Wiederspielwert7.5

Pro

  • Noir-Atmosphäre die unter die Haut geht
  • Rätseldesign das fordert ohne zu frustrieren
  • Dialoge mit Substanz statt Fülltext
  • Pixelart die zeigt wie es richtig geht

Contra

  • Mittelteil verliert kurzzeitig an Tempo
  • Einige Rätsel-Lösungen zu kryptisch
  • Spielzeit etwas knapp für den Preis

Im Detail

Ich stehe in einer verregneten Gasse, Zigarettenrauch kräuselt sich vor meinem Gesicht, und die Leiche vor mir wirft mehr Fragen auf als mein gesamter bisheriger Fall. The Drifter packt mich in den ersten fünf Minuten härter als jedes Point-and-Click der letzten Jahre – und lässt nicht mehr los.

Powerhoof, die australischen Indie-Macher hinter dem herrlich abgedrehten Crossy Road, zeigen hier eine völlig andere Seite. Das ist kein niedlicher Pixel-Spaß, sondern knallharter Neo-Noir mit Ecken und Kanten. Ich spiele einen namenlosen Drifter, der in einer Stadt voller Korruption, Gewalt und moralischer Grauzonen nach Antworten sucht. Die Story entwickelt sich langsam, methodisch, wie ein guter Bogart-Film – jede Information muss ich mir erarbeiten, jedes Gespräch kann die entscheidende Wendung bringen.

Rätsel die den Kopf fordern

Das Rätseldesign ist Old-School im besten Sinne. Keine leuchtenden Hotspots, keine automatischen Lösungshinweise nach drei Minuten. Ich muss tatsächlich nachdenken, Gegenstände kombinieren, Dialogoptionen ausschöpfen. Manchmal sitze ich zehn Minuten vor einem Problem, bis der Groschen fällt – und dieser Moment fühlt sich verdammt gut an. Das erinnert mich stark an Unavowed von Wadjet Eye, nur dass The Drifter noch konsequenter auf Handholding verzichtet.

Allerdings: Zwei, drei Rätsel im Mittelteil sind zu kryptisch geraten. Da hätte ich mir gewünscht, dass die Logik einen Tick klarer kommuniziert wird. Ich will herausgefordert werden, nicht erraten müssen, dass ich den Schraubenzieher mit dem Kaugummi kombinieren muss, weil die Physik der Spielwelt das plötzlich erlaubt.

Atmosphäre zum Reinbeißen

Die Pixelart ist phänomenal. Jeder Screen ist handgemalt, jede Gasse erzählt ihre eigene Geschichte. Regentropfen perlen an Neonreklamen, Schatten tanzen an Hauswänden, und die Farbpalette aus Grau-, Blau- und gelegentlichen Rottönen trifft den Noir-Ton perfekt. Der Soundtrack unterstützt das mit jazzigen Saxophon-Linien und bedrohlichen Bassläufen.

Was mich besonders beeindruckt: Die Dialoge haben Substanz. Keine endlosen Exposition-Dumps, sondern echte Charaktermomente. Die NPCs fühlen sich an wie Menschen mit eigenen Agendas, nicht wie Quest-Geber. Das Mittelteil verliert zwar etwas an Tempo – eine längere Sequenz im Hafenviertel zieht sich unnötig –, aber die Story findet immer wieder zurück zu ihrer Stärke.

Mit etwa sechs Stunden Spielzeit ist The Drifter kein Monster-Adventure, und für 25 Euro hätte ich mir eine Stunde mehr gewünscht. Aber die Qualität pro Minute stimmt absolut.

Fazit

8.5/10 – Powerhoof liefert das beste Point-and-Click seit Jahren. Die Noir-Atmosphäre geht unter die Haut, die Rätsel fordern ohne zu frustrieren (meist), und die Dialoge haben echte Substanz. Ja, das Mittelteil schwächelt kurz, und zwei Rätsel sind zu kryptisch. Aber wenn euch Adventures wie Unavowed, Blackwell oder klassisches Gabriel Knight begeistert haben, ist The Drifter Pflicht. Das ist Genre-Handwerk auf höchstem Niveau – düster, clever, unvergesslich. Kaufempfehlung ohne Wenn und Aber.

Weitere Reviews