
Warhammer 40K: Space Marine 2
Solider Koop-Shooter der seine 40K-Zielgruppe bedient. Macht was es soll, aber nicht mehr. Gears of War lässt grüßen.
Bewertung
Pro
- Kettenschwert-Executions fühlen sich brutal und befriedigend an
- Koop-Missionen funktionieren technisch einwandfrei und machen Laune
- Authentische 40K-Atmosphäre mit Detailliebe zum Universum
- Wumms der Bolter-Waffen ist genau richtig inszeniert
Contra
- Kampagnen-KI der Squadkameraden ist erschreckend dämlich
- Missionsdesign wiederholt sich nach drei Stunden konstant
- Solo-Erlebnis ist deutlich schwächer als im Koop
Im Detail
Kettenschwert trifft Tyraniden-Schädel
Ich stehe knietief in Tyraniden und mein Kettenschwert kreischt. Hunderte dieser Biester kommen auf mich zu, ich drücke Kreis für die Execution und sehe wie mein Space Marine einem Xenos den Kopf abtrennt. Das gibt mir Rüstung zurück. Nächster. Und noch einer. Das ist Space Marine 2 in zehn Sekunden – und genau so fühlen sich die nächsten zehn Stunden an.
Saber Interactive hat einen Shooter gebaut der seine Zielgruppe kennt. Warhammer 40K-Fans bekommen hier exakt das Power-Fantasy-Erlebnis das sie erwarten: Übermenschliche Supersoldaten in Servo-Rüstung die gegen Xenos-Horden kämpfen. Das Problem ist nur – das Spiel denkt kaum über diese Prämisse hinaus.
Gears of War mit Aquila-Siegel
Die Struktur ist so vertraut dass ich sie im Schlaf kenne. Linearer Korridor, Arena-Fight gegen Wellen, weiter zum nächsten Korridor, nächste Arena. Zwischendurch ein Turret-Abschnitt oder eine Horde-Sequenz wo ich rückwärts laufe und schieße. Das hat Gears of War 2006 gemacht. Das macht Space Marine 2 im Jahr 2024. Der Unterschied: Statt Locust sind es Tyraniden. Statt Lancer-Kettensäge ist es ein Kettenschwert.
Das Kampfsystem selbst funktioniert. Schießen, Nahkampf, Ausweichen, Parieren, Execution. Der Flow stimmt wenn ich im Koop mit zwei anderen Space Marines durch die Missionen pflüge. Die Bolter haben Wumms, das Plasma-Gewehr überhitzt befriedigend, und wenn ich mit dem Thunder Hammer zuschage spüre ich das Gewicht. Das ist solides Handwerk.
Aber es ist eben nur solides Handwerk. Ich habe nach drei Stunden alles gesehen was das Spiel mir zeigen will. Die restlichen sieben Stunden Kampagne sind Variationen desselben Themas. Neue Waffe hier, anderer Gegnertyp da – aber die Struktur bleibt identisch. Das erinnert mich an die späten Jahre der Xbox-360-Ära, als jeder dritte Shooter dachte dass Wellen-basiertes Design ausreicht.
Koop rettet was Solo versäumt
Im Koop macht Space Marine 2 deutlich mehr Spaß. Mit zwei Freunden durch Tyraniden-Horden zu pflügen, koordinierte Executions zu timen und sich gegenseitig wiederzubeleben wenn es brenzlig wird – das funktioniert. Die sechs PvE-Operations-Missionen sind sogar besser designed als die Kampagne, weil sie klarer auf Teamplay ausgelegt sind.
Solo dagegen offenbart das Spiel seine Schwächen gnadenlos. Die KI meiner Squad-Kameraden ist katastrophal. Sie stehen in meiner Schusslinie, ignorieren Gegner die mich angreifen, und bei Objektiven warten sie einfach bis ich alles selbst mache. Ich habe Abschnitte erlebt wo ich drei Minuten gegen eine Elite-Einheit gekämpft habe während meine zwei KI-Begleiter daneben standen und gelegentlich in die Luft schossen. Das ist 2024 nicht mehr akzeptabel.
Die Klassensystem in den Operations ist solide aber nicht innovativ. Sechs Klassen – Tactical, Assault, Vanguard, Bulwark, Sniper, Heavy – mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Waffen. Das funktioniert für Koop-Grinding und die Progression über Waffenupgrades und Perks gibt mir einen Grund weiterzuspielen. Aber auch hier: Nichts was ich nicht schon in einem Dutzend anderer Koop-Shooter gesehen hätte.
40K-Atmosphäre sitzt, Inszenierung schwankt
Was Saber Interactive richtig macht: Die Warhammer-40K-Atmosphäre stimmt. Die Architektur der Imperiums-Städte, das Design der Rüstungen, die lateinischen Gebete über Vox, die absolute Humorlosigkeit mit der alles präsentiert wird – das ist authentisch. Die Ultramarines werden korrekt dargestellt, die Hierarchie stimmt, selbst Kleinigkeiten wie die Reinheitssiegel an den Rüstungen sind da.
Die Präsentation schwankt aber. Es gibt Momente – besonders auf dem Battle Barge im Orbit – wo das Spiel visuell beeindruckt. Dann wieder Texturen die aussehen wie aus der PS4-Ära und Animationen die hölzern wirken. Die Performance auf PS5 ist stabil, aber das liegt auch daran dass die Grafik insgesamt nicht an aktuelle Grenzen geht. Das ist okay für einen Mittelklasse-Shooter, aber kein technisches Highlight.
Der Sound dagegen überzeugt durchgehend. Die Bolter klingen wie sie sollen – dumpf, wuchtig, tödlich. Die Stimmen sind passend übertrieben pathetisch. Der Soundtrack bedient alle 40K-Klischees mit Chören und orchestralen Bombast. Das ist nicht subtil, aber das muss es auch nicht sein.
Story: Dienst für den Imperator, mehr nicht
Die Story ist exakt so tiefgründig wie man es von einem 40K-Shooter erwartet: Tyraniden-Invasion, Space Marines werden gerufen, Chaos mischt sich ein, großes Finale. Hauptcharakter Titus hat eine Hintergrundgeschichte die sich auf Teil 1 bezieht, aber wirklich entwickelt wird hier nichts. Es gibt einen Verräter-Plot der so vorhersehbar ist dass ich ihn nach Mission zwei durchschaut habe.
Das ist okay. Ich erwarte von Space Marine 2 keine narrative Innovation. Aber selbst als reine Action-Story hätte man mehr machen können. Die Charaktere bleiben Pappfiguren, die Dialoge sind funktional, und die Zwischensequenzen zeigen mir Dinge statt sie erlebbar zu machen. Es reicht um die Missionen zu verbinden – mehr nicht.
PvP existiert auch
Der PvP-Modus ist da – 6v6, drei Modi, handvoll Maps. Ich habe reingeschaut, nichts gefunden das mich hält. Wer PvP will ist woanders besser bedient.
Fazit
Space Marine 2 ist ein solider Koop-Shooter für Warhammer-40K-Fans. Punkt. Wenn du das Universum liebst, mit Freunden durch Xenos-Horden pflügen willst und keine Innovation erwartest, bekommst du hier zehn bis fünfzehn Stunden Spaß. Die Kettenschwert-Executions fühlen sich gut an, die Operations haben Grind-Potenzial, und die Atmosphäre stimmt.
Aber darüber hinaus bietet das Spiel wenig. Das Missionsdesign ist repetitiv, die Solo-Erfahrung leidet unter miserabler KI, und technisch wie spielerisch bewegt sich alles in sicheren Gewässern. Das ist ein Spiel das seine Nische bedient ohne Risiken einzugehen. Für 70 Euro ist das zu wenig Ambition.
Die 7.0 bedeutet: Funktioniert wie versprochen, macht im Koop Laune, aber bleibt weit unter seinem Potenzial. Wer nicht bereits 40K-Fan ist findet hier nichts was ihn vom Genre überzeugen würde. Und selbst als Fan hätte ich mir mehr gewünscht als Gears of War mit anderem Anstrich.

