
Dragon's Dogma 2
Capcom wagt was – ein Open-World-RPG das dich spüren lässt dass die Welt dir nichts schuldet. Grandios und störrisch zugleich.
Bewertung
Pro
- Pawns die wirklich nützlich sind statt nur Ballast
- Kämpfe die Gewicht haben – jeder Treffer spürbar
- Welt die dich nicht an der Hand nimmt
- Klassendesign das taktische Tiefe belohnt
Contra
- Performance-Einbrüche in Städten unter 30 FPS
- Fast-Travel bewusst limitiert bis zur Frustgrenze
- Technische Bugs die den Flow brechen
Im Detail
Der Greif kreist über mir, sein Schatten verdunkelt die Sonne – ich springe, klammere mich an sein Gefieder, ramme mein Schwert zwischen die Schulterblätter während meine Pawns von unten Feuerpfeile abfeuern. Das Biest stürzt ab, ich mit ihm, und genau in diesem Moment weiß ich: Dragon's Dogma 2 ist anders als alles, was ich in modernen Open-World-RPGs erlebt habe.
Capcom hat ein Spiel geschaffen, das sich einen Dreck um moderne Konventionen schert. Keine Quest-Marker die dich zum Ziel führen. Keine Schnellreise auf Knopfdruck. Keine Schwierigkeitsgrade die dir schmeicheln. Stattdessen eine Welt, die dich respektiert – und genau deshalb auch mal fallen lässt.
Pawns die endlich ihren Job machen
Das Pawn-System ist die Geheimwaffe dieses Spiels. Meine KI-Begleiter lernen tatsächlich dazu, merken sich Questverläufe, warnen vor Gefahren die sie bei anderen Spielern erlebt haben. Als mein Haupt-Pawn Lyra mich vor einem Hinterhalt warnte, den ich nie zuvor gesehen hatte, wurde mir klar: Sie hatte das bei einem anderen Arisen erlebt, dessen Welt sie besucht hatte. Dieses asynchrone Multiplayer-Element funktioniert brillant – besser als in den Souls-Spielen, weil es direkter und persönlicher ist.
Die Kämpfe haben ein Gewicht, das ich seit Monster Hunter vermisse. Jeder Treffer hat Konsequenzen, jede Klasse spielt sich fundamental anders. Als Mystischer Speerträger tanze ich um Gegner herum, als Zauberschmied prügele ich magisch aufgeladene Hiebe rein. Die taktische Tiefe entfaltet sich erst nach Stunden – genau wie es sein soll.
Die Schattenseiten der Vision
Aber verdammt, Capcom macht es einem nicht leicht. In der Hauptstadt Vernworth bricht die Performance regelmäßig unter 30 FPS ein. NPCs poppen ins Bild, Animationen ruckeln. Das ist 2024 einfach nicht akzeptabel, egal wie ambitioniert die Vision ist.
Die Fast-Travel-Limitierung geht von clever zu frustrierend. Portkristalle sind rar, Fährsteine kosten ein Vermögen. Ich verstehe die Design-Philosophie – die Reise soll bedeutsam sein – aber nach 40 Stunden zum fünften Mal denselben Weg zu laufen, nur weil ein NPC in der anderen Ecke der Karte wartet, ist keine Herausforderung mehr, sondern Zeitverschwendung.
Technische Bugs brechen den Flow. Quests die nicht triggern. NPCs die in Wänden stecken. Autosaves die dich in tödliche Situationen zurückwerfen. Nichts Spielbrechendes, aber genug um regelmäßig den Kopf zu schütteln.
Fazit
Dragon's Dogma 2 bekommt von mir eine 8/10 – und das ist eine komplizierte Wertung. Wenn Capcom die Performance-Probleme fixt und einige Quality-of-Life-Features nachreicht, könnte das eine 9 werden. Die Vision ist grandios: Ein RPG das dich als erwachsenen Spieler behandelt, das Konsequenzen hat, das Entdeckung über Komfort stellt. Die Kämpfe sind die besten im Genre, das Pawn-System revolutionär.
Aber die technischen Mängel und die manchmal bis zur Sturheit getriebene Old-School-Philosophie verhindern die Meisterschaft. Kaufempfehlung? Definitiv – aber nur wenn du bereit bist, dich auf Capcoms kompromisslose Vision einzulassen. Das ist kein Spiel für nebenbei. Das ist ein Spiel, das deine volle Aufmerksamkeit fordert und dich dafür mit Momenten belohnt, die kein anderes RPG bietet. Nur eben nicht immer dann, wenn du es gerade willst.


