
Assassin's Creed Black Flag Resynced
Black Flag war 2013 das beste Assassin's Creed. 2025 ist es das immer noch – jetzt nur in scharf und mit besserem Schiffskampf.
Bewertung
Pro
- Schiffskampf fühlt sich endlich so an wie er sollte
- Karibik-Atmosphäre dichter als je zuvor – jede Insel lebt
- Steuerung modernisiert ohne den Flow zu zerstören
- Soundtrack remastert und erweitert – Shanties bleiben Gänsehaut-Garantie
Contra
- Assassinen-Story bleibt das schwächste Glied der Kette
- Moderne Animus-Sequenzen noch immer überflüssig wie damals
- Einige Sammelaufgaben wurden 1:1 übernommen – Zeitverschwendung
Im Detail
Der Wind reißt am Großsegel, Wellen klatschen gegen den Bug der Jackdaw, und ich ziele mit den Breitseiten auf eine spanische Fregatte, die dumm genug war, meine Route zu kreuzen. Das Holz splittert unter meinen Kanonen, und ich spüre zum ersten Mal seit 2013, wie sich dieser Kampf richtig anfühlt. Black Flag Resynced ist keine billige Aufwärmung – Ubisoft hat verstanden, dass dieser Piraten-Trip mehr verdient hat als nur eine Auflösungserhöhung.
Die Karibik war nie schöner – und gefährlicher
Ich bin ehrlich: Als ich 2013 das erste Mal durch die Karibik gesegelt bin, war ich begeistert. Aber nach ein paar Stunden wirkte jede Insel wie die andere – grüner Fleck mit Palmen, fertig. Resynced dreht an allen richtigen Stellschrauben. Havanna pulsiert jetzt wirklich, die Gassen sind belebt mit Händlern, Betrunkenen und Wachen, die nicht mehr wie NPC-Zombies herumstehen. Kingston fühlt sich britischer an, Nassau dreckiger und gesetzloser. Die Entwickler haben jeder Siedlung eine eigene Identität verpasst.
Die offene See hat ebenfalls profitiert. Nebelbänke ziehen realistisch auf, Stürme kommen nicht mehr aus dem Nichts, sondern kündigen sich am Horizont an. Ich kann die Wellen lesen, nutze sie für Geschwindigkeit oder verstecke mich in Regenschauern vor Jägern. Das Wetter ist kein Effekt mehr – es ist Gameplay. Und wenn die Sonne untergeht und das Wasser in Gold und Rot getaucht wird, während im Hintergrund "Leave Her Johnny" aus den Boxen dröhnt, dann weiß ich wieder, warum Black Flag damals mein Lieblings-AC war.
Schiffskampf 2.0 – endlich mit Gewicht
Der größte Unterschied zu 2013? Die Jackdaw fühlt sich an wie ein echtes Schiff. Damals war der Schiffskampf cool, aber irgendwie zu arcade-lastig. Jetzt muss ich Wind und Strömung einkalkulieren, kann nicht mehr auf der Stelle drehen, und jede Breitseite hat Rückstoß. Die Kanonen haben Gewicht, die Treffer lassen Holzsplitter und Rauch aufsteigen, und wenn ich eine Fregatte entere, sehe ich, wie meine Crew tatsächlich kämpft – nicht nur Animationen abspult.
Die KI der Gegner wurde komplett überarbeitet. Schiffe fliehen nicht mehr stupide geradeaus, sondern versuchen, mich in Untiefen zu locken oder Verstärkung zu rufen. Legendäre Schiffe sind jetzt echte Bosskämpfe, bei denen ich Muster lernen und Taktiken anpassen muss. Ich habe gegen den "El Impoluto" drei Anläufe gebraucht – beim Original hatte ich den in zehn Minuten versenkt.
Die Assassinen-Krücke bleibt
Aber – und das ist das große Aber – die Geschichte um Edward Kenway als Assassine funktioniert immer noch nicht. Edward ist ein grandioser Pirat, ein Draufgänger, der Gold und Freiheit will. Die Assassinen-Templer-Scheiße interessiert ihn nicht, und mich ehrlich gesagt auch nicht. Die besten Momente sind die mit Blackbeard, Anne Bonny und den anderen Piraten. Sobald das Spiel versucht, mich für die Bruderschaft zu begeistern, verliere ich das Interesse.
Schlimmer noch: Die modernen Animus-Sequenzen sind 1:1 übernommen. Ich muss immer noch durch sterile Büros laufen, E-Mails lesen und belanglose Rätsel lösen. 2013 war das schon nervig – 2025 ist es unentschuldbar. Ubisoft hätte diese Sequenzen streichen oder komplett neu schreiben sollen. Stattdessen fühlt sich das an wie Pflichtprogramm aus einer anderen Zeit.
Auch die Sammelaufgaben wurden nicht angefasst. 200 Animus-Fragmente? Dutzende Schatzkarten? Alles noch da, alles genauso sinnlos wie damals. Ich verstehe, dass manche Leute Completionisten sind, aber diese Aufgaben sind reine Zeitverschwendung ohne narrativen oder spielerischen Mehrwert. Ein paar hätten ruhig rausfliegen können.
Soundtrack und Atmosphäre – Gänsehaut garantiert
Was Ubisoft absolut perfekt gemacht hat: der Sound. Der Soundtrack wurde nicht nur remastert, sondern erweitert. Neue Shanties, die sich nahtlos einfügen, orchestrale Stücke, die in den großen Momenten für Gänsehaut sorgen. Ich saß auf meinem Schiff, hörte meiner Crew beim Singen zu, und musste an die Taverne in Monkey Island denken – nur dass Black Flag das Ganze mit AAA-Budget und emotionaler Tiefe auflädt.
Die Synchronsprecher haben einzelne Zeilen neu eingesprochen, um Übergänge zu glätten, und es fällt nicht auf. Das ist Handwerk. Die deutsche Lokalisierung bleibt solide, auch wenn ich persönlich auf Englisch spiele – Edward klingt im Original einfach authentischer.
Fazit
Black Flag Resynced ist das Remake, das dieser Piraten-Klassiker verdient hat. Ubisoft hat nicht nur die Grafik aufpoliert, sondern Gameplay-Systeme modernisiert, die Welt verdichtet und den Schiffskampf auf ein neues Level gehoben. Die Karibik fühlt sich lebendiger an als je zuvor, und die Jackdaw zu steuern macht 2025 mehr Spaß als 2013.
Trotzdem bleibt die Assassinen-Story das schwächste Glied, und die modernen Sequenzen hätten in der Mülltonne landen sollen. Wer Black Flag damals geliebt hat, bekommt hier die definitive Version. Wer es verpasst hat, sollte jetzt zuschlagen – das ist das beste Piratenspiel auf dem Markt, auch wenn es eigentlich ein Assassin's Creed sein will.
8.5/10 – weil Black Flag 2013 schon großartig war und Resynced alles richtig macht, was ein Remake richtig machen kann. Nur die alten Schwächen wurden leider mitgeschleppt.