
Alien: Romulus
Alien: Romulus ist das beste Alien-Greatest-Hits-Album seit Jahren – handwerklich makellos, atmosphärisch stark, aber zu verliebt in die Vergangenheit um wirklich Eigenes zu sagen.
Bewertung
Pro
- Praktische Effekte die sich nach echtem Alien anfühlen
- Andy ist einer der stärksten Synthetic-Charaktere der Reihe
- Atmosphäre sitzt von der ersten bis zur letzten Minute
- Fede Alvarez versteht was Alien ausmacht
- Sounddesign auf Kinoniveau
Contra
- CGI-Auferstehung eines alten Charakters – unnötig und billig
- Zu viele Fan-Service-Momente die die Immersion brechen
- Charaktere außer Rain und Andy sind Kanonenfutter ohne Tiefe
- Dritter Akt verliert an Schwung
„Alien: Romulus ist das beste Alien-Greatest-Hits-Album seit Jahren – handwerklich makellos, atmosphärisch stark, aber zu verliebt in die Vergangenheit um wirklich Eigenes zu sagen."
Im Detail
45 Jahre Xenomorph – und immer noch Angst
1979 hat Ridley Scott einen Film ins Kino gebracht der eine einfache Frage gestellt hat: Was passiert wenn du auf einem Raumschiff eingeschlossen bist mit etwas das dich jagen will – und du keine Chance hast?
45 Jahre später stellt Fede Alvarez dieselbe Frage. Die Antwort ist dieselbe. Das ist Stärke und Schwäche von Alien: Romulus zugleich.
Rain, Andy und warum sie funktionieren
Das Herzstück von Romulus sind nicht die Xenomorphs. Es sind Rain Carradine und ihr adoptierter Bruder Andy – ein Synthetic der mit veralteter Software läuft und deshalb ein bisschen zu langsam, zu direkt, zu wörtlich ist.
Cailee Spaeny als Rain trägt den Film mit überzeugender Verletzlichkeit – sie ist keine Ripley, will keine Ripley sein, und das ist richtig. David Jonsson als Andy ist der eigentliche Höhepunkt des Castings. Ein Synthetic der gleichzeitig rührend und unheimlich ist, dessen Loyalität – "to do what's best for Rain" – den emotionalen Kern des Films bildet.
Wenn Andy sich verändert ist das der stärkste Moment von Romulus. Jonsson spielt diese Transformation mit chirurgischer Präzision – dieselbe sanfte Stimme, dieselbe offene Gestik, aber etwas ist falsch. Man spürt es bevor man es versteht.
Der Rest der Crew? Kanonenfutter. Sympathisch genug um kurz zu trauern, dann vergessen. Das war in Alien 1979 nicht anders – aber dort hatte man das Kunstück fertiggebracht jedem Charakter in wenigen Szenen echtes Gewicht zu geben. Romulus schafft das nur bei zweien.
Handwerk das sich nach Alien anfühlt
Was Fede Alvarez richtig macht ist das Handwerk. Romulus fühlt sich nach Alien an – nicht nach Marvel, nicht nach modernem Blockbuster, nicht nach Prometheus mit seiner philosophischen Selbstverliebtheit.
Die Xenomorphs sind größtenteils praktische Effekte – mechanische Bauten und Schauspieler in Prothesen. Das merkt man. Sie bewegen sich anders als CGI-Kreaturen. Sie haben Gewicht. Sie haben Präsenz. In den engen Korridoren der Raumstation Romulus wirken sie wie etwas das wirklich dort ist.
Das Produktionsdesign ist beeindruckend. Die Station hat das Future-Retro-Gefühl das die Reihe definiert – Technologie die fortgeschritten ist aber aussieht als hätte sie bessere Tage gesehen. Grüne Monochrom-Bildschirme, klappernde Tastaturen, schlechte Beleuchtung. Das fühlt sich nach derselben Welt an wie 1979.
Das Sounddesign vervollständigt das Bild. Im Kino – auf gutem Tonsystem – ist Romulus physisch unangenehm in den richtigen Momenten. Die Stille vor einem Angriff. Das Zischen der Druckschleusen. Der Xenomorph der durch die Belüftungsschächte kriecht während man ihn noch nicht sieht.
Das Greatest-Hits-Problem
Hier kommt der ehrliche Teil.
Romulus liebt die Alien-Reihe sehr sichtbar. Zu sichtbar. Es gibt Momente die sich wie ein Best-Of anfühlen – Referenzen auf Alien, Aliens, sogar auf Prometheus. Für Fans ist das ein Wiedersehen mit Vertrautem. Für alle die etwas Neues wollten ist es Stillstand.
Der schlimmste Moment des Films – und er ist wirklich schlimm – ist die CGI-Auferstehung eines alten Charakters. Ich werde nicht spoilern wer. Aber es ist unnötig, es sieht schlecht aus, und es reißt einen aus einer Immersion die der Film sich über 90 Minuten sorgfältig erarbeitet hat. Es ist die Art Entscheidung die Studiokalkül stinkt – Fan-Service über Handwerk.
Das dritte Drittel verliert außerdem merklich an Tempo. Was als präziser Thriller begann entwickelt sich zu einem konventionellen Creature-Feature-Finale das die Spannung der ersten zwei Akte nicht ganz halten kann.
Romulus im Kontext der Reihe
Wo steht Romulus in der Alien-Hierarchie?
Besser als Prometheus und Covenant – deutlich, ohne Diskussion. Beide haben sich in Mythologie und Philosophie verloren und dabei vergessen Angst zu machen.
Nicht so gut wie Alien (1979) – das Original bleibt unerreicht in seiner Reduktion und Konsequenz.
Vergleichbar mit Aliens (1986) – aber auf andere Weise. Aliens hat das Franchise neu erfunden. Romulus feiert es. Das ist legitim – aber es ist auch weniger.
Fazit
Alien: Romulus ist der Alien-Film den Fans sich gewünscht haben – handwerklich stark, atmosphärisch überzeugend, mit zwei echten Charakteren im Zentrum. Fede Alvarez versteht was die Reihe ausmacht und liefert es verlässlich.
Das Problem ist dass Romulus nicht mehr will als das. Es zitiert, es referenziert, es feiert – aber es erschafft nicht. Ein Film der mutig eine neue Richtung eingeschlagen hätte wäre aufregender gewesen.
Die 7.5 ist trotzdem ein echtes Kompliment in einer Franchise die zuletzt öfter enttäuscht hat. Für Alien-Fans Pflicht. Für Einsteiger eine gute Wahl. Für alle die 1979 noch einmal erleben wollen: schaut das Original.
Und haltet Ausschau auf Chefermittler.de – das große Alien-Special kommt.



