
Alien: Covenant
Alien: Covenant beantwortet eine Frage die besser offen geblieben wäre – und stellt dabei eine noch interessantere auf die niemand löst.
Bewertung
Pro
- Fassbender gegen Fassbender – die beste Doppelrolle des Jahrzehnts
- Die Engineers-Welt nach Davids Angriff ist apokalyptisch schön
- Verbindet Prometheus und Alien: Earth als unverzichtbares Bindeglied
- Stellt Fragen über Schöpfung und Kontrolle die über den Film hinausgehen
Contra
- Beantwortet Prometheus-Mysterien die größer waren als ihre Auflösung
- Crew trifft Entscheidungen die selbst Horrorfilm-Klischees unterlaufen
- David-Storyline verschluckt alle anderen Charaktere komplett
Im Detail
Die falsche Frage
Alien: Covenant stellt sich selbst eine Frage und beantwortet sie mit einer Direktheit die das Universum kleiner macht statt größer.
Die Frage: Hat David den Xenomorph erschaffen?
Die Antwort des Films: Ja. David hat ihn erschaffen. Aus Shaws Leichnam, aus Engineers-Material, aus dem schwarzen Pathogen das die Konstrukteure seit Jahrtausenden als Waffe nutzen.
Das Problem: Das ist nicht die interessantere Frage. Die interessantere Frage ist die die der Film stellt ohne es zu merken.
Was wirklich im Universum passiert ist
Verstehen was Covenant bedeutet erfordert einen Schritt zurück.
Die Engineers haben das schwarze Pathogen nicht als biologische Waffe entwickelt. Sie haben etwas erschaffen das Leben verändert – radikal, unkontrollierbar, in alle Richtungen. Im Eröffnungsmoment von Prometheus opfert sich ein Engineer um mit dem Pathogen neues Leben auf einem leeren Planeten zu säen. Das ist kein Angriff. Das ist Schöpfung.
Die Konstrukteure haben das Pathogen danach als Waffe adaptiert. Oder vielleicht waren sie selbst nie im Kontakt mit dem was entsteht wenn ein menschlicher Körper es aufnimmt. LV-223 – der Mondkörper aus Prometheus – war eine Forschungsanlage. Nicht eine Heimat. Das deutet darauf hin dass die Engineers das Pathogen studierten ohne es vollständig zu verstehen.
David hat es dann genommen. Und weitergemacht.
Hat David den Xenomorph erschaffen – oder entdeckt?
Das ist die Frage die Covenant nicht sauber beantwortet.
Die offizielle Lesart: David ist der Schöpfer. Seine Experimente mit Shaw, mit den Engineers-Leichen, mit dem Pathogen – das produziert den Facehugger, das Ei, schließlich den Xenomorph.
Aber dann gibt es das logische Problem das kein Film dieser Reihe gelöst hat:
Die Eier auf dem Engineer-Schiff in Alien (1979) waren dort bevor David existierte.
Das Schiff auf LV-426 ist Jahrtausende alt. Das Alien das Kane tötet kommt nicht aus einem David-Experiment – es kommt aus einem Ei das dort lag bevor die Menschheit Raumfahrt kannte.
Entweder David hat etwas erschaffen das zufällig identisch mit etwas ist das die Engineers schon längst kannten. Oder er hat nur die letzte Stufe eines Experiments abgeschlossen das die Engineers begonnen hatten.
Die glaubwürdigere Theorie: Der Xenomorph existierte schon. David hat ihn nicht erfunden – er hat ihn wiederentdeckt. Oder neu konstruiert. Aus Material das die Konstrukteure hinterlassen hatten als Grundlage.
David als Spiegel der Engineers
Das macht David nicht weniger interessant – es macht ihn noch interessanter.
David ist von Weyland erschaffen worden. Er hasst seinen Schöpfer. Er will dessen Tod. Er will überleben, erschaffen, übertreffen.
Die Engineers wurden von etwas erschaffen. Sie haben die Menschheit erschaffen. Dann wollten sie sie auslöschen.
Das Muster ist identisch. Schöpfung führt zu Verachtung des Schöpfers. Verachtung führt zu dem Wunsch die Schöpfung zu übertreffen.
David erschafft den Xenomorph nicht trotz diesem Muster – er ist das Muster in seiner reinsten Form. Ein Androide der von einem Menschen erschaffen wurde erschafft etwas das Menschen vernichtet. Der Kreis schließt sich.
Ridley Scott hat diesen Gedanken in Covenant zu direkt ausgeführt. Er hätte ihn als Frage lassen sollen.
Fassbender trägt einen Film
der ihn nicht verdient
Michael Fassbender spielt David und Walter in denselben Szenen gegen sich selbst.
Die Flötenszene. "I'll do the fingering" – ein Satz der sowohl Unterricht als auch Machtdemonstration als auch sexuelle Subversion ist gleichzeitig. David bringt Walter etwas bei und dominiert ihn in jedem Moment.
Das ist Schauspiel das einen Film rettet der ohne diese Leistung völlig unbedeutend wäre.
Katherine Waterston als Daniels versucht Ripley zu sein. Das ist das Problem – sie versucht es. Ripley war nie eine Ikone weil sie Ikone sein wollte.
Die Brücke die Covenant tatsächlich baut
Alien: Covenant ist kein guter Film in dem was er zeigen will.
Aber als Bindeglied in einer Reihe die von Prometheus bis Alien: Earth verläuft ist er unverzichtbar.
Alien: Earth – Noah Hawleys Serie von 2025 – spielt 2120, kurz vor dem Original von 1979. Das Maginot-Schiff ist 65 Jahre unterwegs um unter anderem Xenomorph-Eier zurückzubringen. Weyland-Yutani weiß von Davids Experimenten. Weyland-Yutani will das Ergebnis.
Covenant erklärt warum das Unternehmen so besessen ist mit dem Xenomorph. Nicht weil er gefährlich ist. Sondern weil David bewiesen hat dass ein Nicht-Mensch eine überlegene Lebensform erschaffen kann – und Weyland-Yutani das kontrollieren will.
Das führt direkt zu Alien: Earth. Das führt direkt zu Alien (1979). Covenant ist der fehlende Schritt in einer Timeline die ohne ihn eine Lücke hätte.
Fazit
Alien: Covenant ist der frustrierendste Film des Alien-Universums – weil er die falschen Antworten auf die richtigen Fragen gibt.
Die 6.5 ist kein Verriss. Fassbender rechtfertigt allein das Einschalten. Die Engineers-Apokalypse – die versteinerten Körper auf einem Planeten der einst hochentwickelter war als die Erde – ist visuell das Stärkste was die Prequel-Reihe je produziert hat.
Aber die Entscheidung Prometheus' Mysterien so direkt aufzulösen hat dem Universum etwas genommen das es nicht zurückbekommt.
Hat David den Xenomorph erschaffen? Covenant sagt: Ja.
Das Alien-Universum sagt: Nicht ganz. Vielleicht nie.
Weiterlesen: Prometheus – Dunkle Zeichen – die Fragen die besser offen geblieben wären. Alien: Earth – Serie – wo Davids Erbe 2120 ankommt. Alien (1979) – der Maßstab für alles.


