
Die Klapperschlange
Die Klapperschlange ist der Film der beweist dass Zynismus eine Haltung ist – Snake Plissken rettet die Welt und interessiert sich kein bisschen dafür.
Bewertung
Pro
- Snake Plissken ist der Prototyp des Anti-Helden – kopiert nie erreicht
- Carpenters Synth-Score definiert wie dystopische Atmosphäre klingt
- Manhattan als Gefängnisstadt – eine der besten Prämissen des Genres
- Zynismus als Weltanschauung konsequent bis zur letzten Szene
Contra
- Budget sieht man in manchen Spezialeffekt-Sequenzen deutlich
- Nebenfiguren bekommen zu wenig Zeit um wirklich zu zählen
- Zweite Hälfte verliert leicht das Tempo der ersten 40 Minuten
Im Detail
Snake Plissken ist tot.
Das ist der Running Gag des Films. Jeder dem Snake begegnet sagt dasselbe: "Ich dachte du wärst tot."
Snake antwortet nie darauf. Er hat Wichtigeres zu tun. Zum Beispiel den Präsidenten der Vereinigten Staaten retten – einen Mann den er verachtet in einem Manhattan das zur größten Hochsicherheitsgefängnisinsel der Welt umgebaut wurde.
John Carpenter hat 1981 einen Film gemacht der so viel mehr ist als sein Budget vermuten lässt. Die Klapperschlange ist keine Actionfilm. Es ist ein Statement.
1997 und was daraus geworden ist
Die Prämisse ist so gut dass man sich wundert warum nicht mehr Filme diesen Weg gegangen sind.
New York City, 1997. Die Kriminalitätsrate ist so gestiegen dass die Regierung eine einfache Lösung gefunden hat: Manhattan wird zur Gefängnisstadt erklärt. Einmal rein, nie wieder raus. Keine Wärter auf der Insel – nur Gefangene die ihre eigene Gesellschaft organisieren.
Dann stürzt Air Force One ab. Der Präsident überlebt im Inneren. Die Regierung braucht jemanden der reingeht und ihn rausholt.
Sie nehmen Snake Plissken. Weil niemand sonst geht. Weil Snake der Einzige ist der gut genug ist – und schlecht genug um es zu versuchen.
Sicherheitshalber wird ihm eine Sprengkapsel in den Hals injiziert. 24 Stunden bis zur Detonation. Komm zurück mit dem Präsidenten oder stirb allein in Manhattan.
Snake antwortet mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes dem das relativ egal ist.
Kurt Russell und die Kunst der Coolness
Es gibt Schauspieler die eine Figur spielen. Und es gibt Schauspieler die eine Figur werden.
Kurt Russell ist Snake Plissken. Die Augenklappe, die heisere Stimme, die Körpersprache die signalisiert dass dieser Mann schon zu viel gesehen hat um noch überrascht zu werden – das ist keine Performance. Das ist eine Erfindung.
Snake ist kein Held. Er rettet den Präsidenten nicht weil er es richtig findet. Er rettet ihn weil er sonst stirbt. Und selbst das ist ihm nicht wirklich wichtig genug um etwas wie Dringlichkeit zu zeigen.
Dieser Zynismus ist das Herzstück des Films. In einer Zeit wo Action-Helden entweder noble Retter oder zweifelnde Idealisten waren hat Carpenter jemanden erschaffen dem das System komplett gleichgültig ist – das System das ihn eingesperrt hat, das System das ihn jetzt braucht, das System das glaubt er schuldet ihm irgendetwas.
Die letzte Szene des Films ist eine der befriedigendsten Pointe der Filmgeschichte. Ich spoilere sie nicht. Aber sie ist der einzig konsequente Abschluss für einen Mann wie Snake.
Carpenter und das Synth-Universum
John Carpenter komponiert seine Scores selbst. Das ist bekannt. Was weniger bekannt ist: Die Klapperschlange hat einen der besten Scores die er je geschrieben hat.
Das Hauptthema ist simpel – vier Noten, elektronisch, mit einem Puls der das Ticken der Sprengkapsel imitiert. Es setzt sich fest. Es läuft im Hintergrund weiter wenn der Film längst vorbei ist.
Carpenter versteht Musik als Atmosphäre nicht als Untermalung. Der Score von Die Klapperschlange ist nicht da um Emotionen zu erklären – er ist da um die Welt zu definieren. Kalt, mechanisch, gleichgültig. Genau wie Snake.
Das zerfallene Manhattan – gedreht in New York kurz nach dem Beinahe-Bankrott der Stadt in den späten 70ern – sieht aus wie das was es ist: eine Stadt die aufgegeben wurde. Carpenter musste wenig verändern.
Was dem Film seinen Charakter gibt
Das Budget war klein. 1.500.000 Dollar für einen Film der eine ganze Stadt als Kulisse braucht.
Man sieht es. Manche Spezialeffekte sind für 1981 in Ordnung – für einen Film der heute als Klassiker gilt fallen sie gelegentlich auf. Die Holographie-Sequenzen haben ihren Charme verloren.
Aber das ist der falsche Maßstab. Die Klapperschlange funktioniert nicht wegen seiner Effekte sondern trotz ihrer Abwesenheit. Die


