28 Years Later
Bild: Sony Pictures
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28 Years Later

Von Chefermittler·23. Juni 2026·3 Min Lesezeit

28 Years Later ist kein Zombie-Film – Boyle und Garland haben ein Märchen über Trauer gedreht das seine Franchise fast vergisst.

Entwickler / Studio
Sony Pictures
Erscheinungsjahr
2025
Getestet auf
WOW
Spielzeit
120 Minuten

Bewertung

Gesamtwertung
7.0/10
Gut
Story6.0
Inszenierung8.0
Präsentation8.0
Sound8.0
Wiederschauwert5.0

Pro

  • Anthony Dod Mantles iPhone-Kinematographie ist radikal und breathtaking zugleich
  • Young Fathers Score passt perfekt zur emotionalen Eigenartigkeit
  • Alfie Williams als Spike trägt einen ganzen Film auf Teenager-Schultern
  • Boyle und Garland weigern sich die sichere Franchise-Route zu gehen

Contra

  • Erster Akt könnte 20 Minuten kürzer sein ohne Informationsverlust
  • Film endet als erster Teil einer Trilogie – Auflösung bleibt komplett aus
  • Tonale Sprünge zwischen Märchen und Body-Horror überfordern gelegentlich

Im Detail

Großbritannien, 28 Jahre später.

Eine schwangere Infizierte.

Das ist die erste wirklich überraschende Szene in 28 Years Later. Nicht weil sie schockierend ist – sondern weil sie eine Frage stellt die der Film bewusst nicht beantwortet.

War sie infiziert bevor oder nachdem sie schwanger wurde? Boyle antwortet nicht. Garland antwortet nicht. Der Film zieht weiter.

Das ist 28 Years Later in einer Szene: mutig genug um Fragen aufzuwerfen, nicht immer mutig genug um sie zu beantworten.

Was Boyle und Garland nicht getan haben

Der einfache Weg wäre gewesen nostalgie-getrieben zurückzukehren. Die leeren Straßen Londons. Der Rage-Virus wie gehabt. Ein paar bekannte Gesichter. Zwei Stunden Fanservice.

Das haben sie nicht getan.

28 Years Later spielt auf einer isolierten Insel vor der schottischen Küste wo eine kleine Gemeinschaft von Überlebenden eine Art Normalität aufgebaut hat. Wir folgen Spike – einem Teenager der zum ersten Mal das Festland betritt und dabei eine Welt entdeckt die sein Vater ihm verschwiegen hat.

Das klingt nach Coming-of-Age. Es ist Coming-of-Age. In einem Zombie-Film. Mit Brothers-Grimm-Ästhetik. Mit einem Subplot über Sterblichkeit und Trauer. Und mit Ralph Fiennes als mysteriösem Arzt der auf dem Festland überlebt hat auf eine Art die nicht vollständig erklärt wird.

Das ist entweder brillant oder zu viel auf einmal. Manchmal ist es beides.

Die Kamera die alles verändert

Anthony Dod Mantle hat 28 Years Later auf iPhones gedreht. Das ist keine Budget-Entscheidung – das ist Stilentscheidung.

Die handgehaltene Unmittelbarkeit des Originals war 2002 revolutionär weil niemand so drehte. 2025 dreht jeder so – außer Boyle der weitermacht und die Konsequenz zieht: iPhone, 2.76:1 Ultrabreitformat, Infrarotaufnahmen der Infizierten die aussehen wie Wärmebilder.

Das Ergebnis ist radikal schön auf eine Weise die ich in einem Zombie-Film nicht erwartet hatte. Lush grüne Felder die wie Märchenillustration aussehen. Nachtszenen in tiefem Rot. Eine Verfolgungsjagd durch einen halb überfluteten Damm die das beste Action-Set-Piece des Jahres sein könnte.

Dazu Young Fathers als Komponisten – die schottische Band liefert einen Score der so weit von John-Murphy-Nostalgie entfernt ist wie der Film selbst vom Original. Das ist richtig.

Alfie Williams und der Kern des Films

Spike wird von Alfie Williams gespielt – einem Teenager der kaum bekannt war bevor dieser Film erschien.

Er trägt den Film. Jodie Comer ist stark. Ralph Fiennes ist Ralph Fiennes. Aber Williams ist der Grund warum 28 Years Later funktioniert wenn es funktioniert.

Seine Reise vom behüteten Insel-Kind zum jemand der versteht was die Welt draußen wirklich ist ist das emotionale Zentrum des gesamten Films. Und der Moment in dem er seinen ersten Kill macht und sein Vater ihn dafür lobt – "jedes Mal wird es einfacher" – ist der gruseligste Moment des Films. Nicht wegen Blut. Wegen dem was er sagt.

Das Problem mit Trilogien

28 Years Later ist der erste Film einer geplanten Trilogie. Das merkt man.

Der erste Akt ist 20 Minuten zu lang. Das Ende ist kein Ende – es ist ein Cliffhanger der explizit auf 28 Years Later: The Bone Temple verweist. Die letzten Minuten führen neue Charaktere ein die in diesem Film keine Rolle spielen aber im nächsten zentral sein werden.

Das ist Franchise-Denken das gegen den Rest des Films arbeitet. Boyle und Garland haben einen Film gemacht der keine Angst vor eigenem Tempo hat – und dann ein Ende angehängt das sich wie ein Pitch für den nächsten Teil anfühlt.

28 Weeks Later hatte ein befriedigendes Ende trotz Sequel-Setup. 28 Years Later hat das nicht.

Das kostet die Wertung Punkte die der Film in seiner Mitte verdient hätte.

Fazit

28 Years Later ist der interessanteste Zombie-Film seit dem Original – und das ist nicht dasselbe wie der beste Zombie-Film seit dem Original.

Boyle und Garland haben sich geweigert das Sichere zu machen. Das verdient Respekt. Die Konsequenz ist ein Film der in seinen stärksten Momenten wirklich außergewöhnlich ist und in seinen schwächsten Momenten zeigt dass drei Ideen gleichzeitig auch drei Probleme gleichzeitig bedeuten können.

Die 7.0 ist kein Verriss – sie ist das Ergebnis eines ambitionierten Films der mehr wollte als er in zwei Stunden untergebracht hat.

The Bone Temple kommt. Ich werde es mir ansehen. Das sagt mehr als die Wertung.

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