Target Account Selling (TAS): Ein modernes Vertriebsframework im Check
In der dynamischen Welt des B2B-Vertriebs hat sich Target Account Selling (TAS) als strategischer Ansatz etabliert, der besonders im Enterprise-Segment für Aufsehen sorgt.
Aber was steckt wirklich hinter diesem Framework? Lohnt sich die Umstellung deiner Vertriebsprozesse? Und wie schneidet TAS im Vergleich zu anderen populären Methoden ab? Dieser Artikel liefert dir alle Antworten und hilft dir, die richtige Entscheidung für dein Vertriebsteam zu treffen.
Was ist Target Account Selling?
Target Account Selling ist eine strukturierte Vertriebsmethodik, die sich auf die gezielte Bearbeitung ausgewählter Schlüsselkunden konzentriert. Anders als beim klassischen Volumengeschäft geht es hier nicht darum, möglichst viele Leads zu generieren, sondern die verfügbaren Ressourcen auf die vielversprechendsten Accounts zu fokussieren.
Der TAS-Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass nicht alle Kunden gleich wertvoll sind. Stattdessen identifizierst du gezielt jene Unternehmen, die das größte Potenzial für langfristige und profitable Geschäftsbeziehungen bieten. Diese werden dann mit maßgeschneiderten Strategien bearbeitet.
Die zentralen Säulen von Target Account Selling
- Account-Auswahl: Systematische Identifikation der strategisch wichtigsten Zielkunden basierend auf Faktoren wie Umsatzpotenzial, strategischer Fit und Erfolgswahrscheinlichkeit.
- Account-Mapping: Detaillierte Analyse der Entscheidungsstrukturen und Stakeholder innerhalb des Zielunternehmens.
- Maßgeschneiderte Wertversprechen: Entwicklung individualisierter Lösungsansätze, die genau auf die spezifischen Herausforderungen und Ziele des Accounts abgestimmt sind.
- Multi-Level-Selling: Aufbau von Beziehungen auf verschiedenen Ebenen des Kundenunternehmens – vom Fachbereich bis zur Geschäftsführung.
- Ressourcenorientierte Planung: Strategische Zuteilung von Vertriebsressourcen entsprechend der Priorität und des Potenzials jedes Accounts.
Die Vorteile von Target Account Selling
1. Höhere Conversion Rates
Durch die Konzentration auf vorqualifizierte, hochwertige Accounts steigt die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Abschlüsse signifikant. Die Zahlen sprechen für sich: Laut einer Studie von Aberdeen Group erzielen Unternehmen mit einem account-basierten Ansatz um 36% höhere Abschlussraten.
2. Größere Deal-Volumina
TAS führt nachweislich zu größeren Vertragsabschlüssen. Wenn du dich auf Accounts konzentrierst, die wirklich zu deinem Angebot passen, kannst du umfassendere Lösungen platzieren, die einen höheren Wert generieren.
3. Verkürzte Verkaufszyklen
Da du bereits zu Beginn die relevanten Stakeholder und Entscheidungsprozesse identifizierst, vermeidest du typische Verzögerungen und Sackgassen im Verkaufsprozess. Das führt zu einer messbaren Verkürzung der durchschnittlichen Verkaufszyklen.
4. Effizienter Ressourceneinsatz
Statt Ressourcen gleichmäßig auf alle potenziellen Kunden zu verteilen, investierst du sie gezielt dort, wo die Erfolgsaussichten am größten sind. Dies optimiert den ROI deiner Vertriebsaktivitäten erheblich.
5. Verbesserte Kundenbindung
Der tiefgreifende, strategische Ansatz von TAS führt zu engeren Kundenbeziehungen. Du positionierst dich nicht als bloßer Lieferant, sondern als strategischer Partner, was die langfristige Kundenbindung stärkt.
Die Herausforderungen und Nachteile
1. Ressourcenintensive Implementierung
Der Aufbau eines effektiven TAS-Programms erfordert erhebliche Investitionen in Prozesse, Tools und Mitarbeiterschulungen. Besonders für kleinere Unternehmen kann diese initiale Investition eine Hürde darstellen.
2. Risiko der zu engen Fokussierung
Die Konzentration auf wenige Schlüsselkunden birgt das Risiko, andere potenzielle Wachstumschancen zu übersehen. Eine zu enge Fokussierung kann zu einer problematischen Abhängigkeit von wenigen Großkunden führen.
3. Komplexes Change Management
Die Umstellung auf TAS bedeutet oft einen fundamentalen Wandel in der Vertriebskultur. Dieser Transformationsprozess kann intern auf Widerstände stoßen und erfordert ein durchdachtes Change Management.
4. Herausforderungen bei der Skalierung
TAS funktioniert hervorragend für eine begrenzte Anzahl strategischer Accounts. Die Skalierung auf eine größere Anzahl von Zielkunden kann jedoch komplex werden und erfordert ausgefeilte Prozesse und Technologien.
5. Längere Time-to-Value
Der strategische Aufbau von Kundenbeziehungen im TAS-Modell braucht Zeit. Die Früchte deiner Arbeit wirst du möglicherweise erst mittel- bis langfristig ernten können, was Geduld erfordert.
TAS im Vergleich zu anderen Vertriebsmethoden
TAS vs. Solution Selling
Solution Selling fokussiert sich auf das Lösen spezifischer Kundenprobleme. Im Gegensatz zum breiteren TAS-Ansatz konzentriert sich Solution Selling primär auf die Lösungsebene und weniger auf die strategische Durchdringung ganzer Organisationen.
Vorteile gegenüber TAS: Einfachere Implementierung, schnellere erste Erfolge, geringere Einstiegshürden.
Nachteile gegenüber TAS: Weniger strategische Tiefe, geringeres Cross-Selling-Potenzial, tendenziell kleinere Deals.
TAS vs. SPIN Selling
SPIN Selling ist eine fragenbasierte Methodik, die durch gezielte Situation-, Problem-, Implication- und Need-Payoff-Fragen Verkaufschancen entwickelt.
Vorteile gegenüber TAS: Leichter erlernbar, flexibler einsetzbar, weniger ressourcenintensiv.
Nachteile gegenüber TAS: Weniger strukturierter Gesamtansatz, geringerer Fokus auf langfristige Kundenbeziehungen, weniger strategisch ausgerichtet.
TAS vs. Account-Based Marketing (ABM)
Account-Based Marketing ist im Grunde der Marketing-Zwilling von TAS. Während TAS den Vertriebsaspekt abdeckt, konzentriert sich ABM auf die zielgerichtete Marketingansprache der ausgewählten Accounts.
Vorteile gegenüber TAS: Stärkerer Fokus auf Content und Markenbildung, bessere Integration digitaler Kanäle.
Nachteile gegenüber TAS: Weniger Fokus auf den konkreten Verkaufsprozess und die Verhandlungsführung.
Die ideale Situation ist tatsächlich die Kombination beider Ansätze zu einer integrierten Account-Based-Strategie.
TAS vs. Challenger Sale
Challenger Sale basiert auf dem Konzept, den Kunden mit neuen Perspektiven herauszufordern und seine Denkweise zu verändern.
Vorteile gegenüber TAS: Stärkerer Fokus auf inhaltliche Differenzierung, weniger abhängig von formalen Prozessen.
Nachteile gegenüber TAS: Weniger strukturierter Gesamtansatz zur Bearbeitung komplexer Accounts, stärkere Abhängigkeit von den individuellen Fähigkeiten der Vertriebsmitarbeiter.
Für wen eignet sich Target Account Selling?
TAS ist besonders effektiv für:
- B2B-Unternehmen mit komplexen Produkten/Dienstleistungen
- Anbieter mit hohen Transaktionswerten
- Vertriebsteams im Enterprise-Segment
- Märkte mit langen Entscheidungszyklen
- Unternehmen mit begrenzten Vertriebsressourcen, die gezielt eingesetzt werden müssen
Weniger geeignet ist TAS für:
- Anbieter mit transaktionalem Geschäftsmodell
- Stark standardisierte Produkte mit geringen Margen
- Märkte mit sehr kurzen Verkaufszyklen
- Start-ups in frühen Phasen, die schnell Marktanteile gewinnen müssen
Implementierung von TAS: Die wichtigsten Schritte
- Account-Segmentierung entwickeln: Definiere klare Kriterien, nach denen du deine Zielaccounts priorisierst.
- Technologische Basis schaffen: Stelle sicher, dass dein CRM und andere Tools die notwendigen Daten liefern können.
- Skill-Building: Trainiere dein Team in den spezifischen Fähigkeiten, die für TAS erforderlich sind.
- Prozesse anpassen: Entwickle klare Workflows für die Account-Planung, -Qualifizierung und -Bearbeitung.
- Sales und Marketing alignieren: Schaffe eine enge Abstimmung zwischen Vertriebs- und Marketingaktivitäten für die Zielaccounts.
- Erfolgsmessung etablieren: Implementiere KPIs, die den Erfolg deines TAS-Ansatzes messbar machen.
Fazit: Ist Target Account Selling das Richtige für dich?
Target Account Selling ist kein Allheilmittel, aber für viele B2B-Unternehmen ein Game-Changer. Es kombiniert strategisches Denken mit taktischer Umsetzung und kann – richtig implementiert – zu signifikanten Verbesserungen bei Conversion Rates, Deal-Größen und Kundenbindung führen.
Die Entscheidung für TAS sollte wohlüberlegt sein. Sie erfordert eine ehrliche Analyse deines Geschäftsmodells, deiner Ressourcen und deiner Vertriebsziele. Der Implementierungsprozess braucht Zeit und Durchhaltevermögen, aber die langfristigen Vorteile können transformativ sein.
Wenn dein Unternehmen im B2B-Bereich mit komplexen Lösungen und höheren Transaktionswerten operiert, könnte TAS genau der richtige Ansatz sein, um deine Vertriebsperformance auf das nächste Level zu heben. Die Investition in ein strukturiertes TAS-Programm zahlt sich besonders dann aus, wenn du langfristige, profitable Kundenbeziehungen aufbauen möchtest.
Letztendlich geht es beim Target Account Selling um Fokus und Präzision statt um Masse – ein Prinzip, das in immer komplexeren Märkten zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Weiterführende Ressourcen
- "Target Account Selling: The Definitive Guide" von TAS Group
- "The JOLT Effect: Jump-Start Organizational Long-Term Thinking" von Steve Woods und Paul Teshima
- "Account-Based Marketing: How to Target and Engage the Companies That Will Grow Your Revenue" von Chris Golec